**Vorfreude**
**ist die schönste Freude**
- Platz für die ersten Plätzchen
- Foto: Ralf Röser
- hochgeladen von Ralf Röser
Wir wünschen euch allen eine schöne Vorweihnachtszeit. Die ersten Plätzchen schmecken besonders gut.
Die ersten Plätzchen und die große Vorfreude
Der November hatte sich in ein silbriges Kleid gehüllt. Nebelschwaden zogen durch die Gassen, und die Straßenlaternen warfen ihr warmes Licht auf das Kopfsteinpflaster. Der Heimatreporter stapfte mit seiner Kamera um den Hals durch die Stadt, auf der Suche nach Geschichten und Bildern, die nach Zimt und Hoffnung schmeckten. Überall spürte man sie – die Vorfreude. Sie lag in den Schaufenstern, in den funkelnden Sternen aus Papier, und in den Stimmen der Menschen, die schon leise Weihnachtslieder summten.
Als er die Tür zur Backstube von Frau Huber öffnete, schlug ihm ein Duft entgegen, der Erinnerungen weckte: Vanille, Butter, ein Hauch von Zimt. Auf dem großen Holztisch lagen sie – die ersten Plätzchen des Jahres. Goldbraun, zart und noch warm. „Probieren Sie mal“, sagte Frau Huber mit einem Lächeln, das so herzlich war wie der Ofen hinter ihr. Er nahm einen Bissen, und für einen Augenblick war die Welt still. Kein Lärm, kein Stress – nur der Geschmack von Kindheit.
„Es ist jedes Jahr dasselbe“, dachte er. „Die Vorfreude beginnt nicht mit dem ersten Schnee, sondern mit dem ersten Plätzchen.“
Er machte ein paar Bilder, während draußen die Glocken der Kirche läuteten. Die Stadt bereitete sich vor, und er spürte, wie die Wärme des Augenblicks ihn umhüllte. Doch als er sich verabschiedete und die Backstube verließ, fiel sein Blick auf ein kleines Schild an der Tür:
„Letzter Tag geöffnet – wir schließen für immer.“
Er blieb stehen. Die Worte brannten sich in sein Herz. Die Backstube, die seit Generationen Geschichten und Düfte geschenkt hatte, würde bald nur noch Erinnerung sein. Plötzlich schmeckte das Plätzchen bittersüß. Die Vorfreude war noch da – aber sie mischte sich mit Wehmut.
Er wollte gerade den ersten Satz seines Artikels formulieren, als er eine Stimme hörte:
„Wir schließen nicht, weil wir aufgeben. Wir schließen, weil wir umziehen – in ein größeres Haus am Marktplatz. Damit noch mehr Menschen die ersten Plätzchen genießen können.“
Er drehte sich um, und Frau Huber lächelte verschmitzt. „Manchmal muss man etwas loslassen, um Platz für Neues zu schaffen.“
Der Heimatreporter atmete auf. Die Geschichte war nicht nur eine über Abschied, sondern über Hoffnung. Und als er am nächsten Tag den neuen Laden am Marktplatz sah – hell erleuchtet, voller Menschen, voller Lachen – wusste er: Dies würde die schönste Weihnachtsgeschichte seines Lebens werden.
Privatperson:Ralf Röser aus Hohenlohe |
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