Von wegen PI mal Daumen - Klare Regeln plus Humor
Ausstellung zum 100. Geburtstag von François Morellet
- François Morellet,π piquant n° 1, 1 = 10°, 51 décimales / Prickelndes π Nr. 1, 1 = 10°, 51 Dezimalen, 1998
Acryl und Bleistift auf Leinwand auf Holz, 240 x 240 cm, Sammlung Würth, Inv. 4670, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026 - Foto: Ivan Baschang / Sammlung Würth
- hochgeladen von Angelika Di Girolamo
Pi (π) mal Daumen sagen wir, wenn es nicht um absolute Genauigkeit geht - bei dem französischen Künstler François Morellet dagegen ging es in seiner von geometrischen Formen ausgehenden Kunst um Regeln wie Aneinanderreihung, Überlagerung oder Zufall, die er zunächst festlegte und bei seiner künstlerischen Arbeit strikt beachtete.
In den Titeln seiner Werke legte er die Regeln offen; mit zahlreichen von Wortwitz geprägten Anmerkungen regte er die Betrachtenden zu eigenen Interpretationen an. So nannte er beispielsweise eines seiner Werke" π piquant n° 1, 1 = 10°, 51 décimales / Prickelndes π Nr. 1, 1 = 10°, 51 Dezimalen", 1998 (siehe Abbildung 1). Interessant, dass es bei dem Werk verstärkte Linien gibt, die an etwas Stacheliges, Kratziges denken lassen: das Kopfkino kann beginnen ...
Ist das abstrakte Kunst? Ja, es ist aber eine Weiterentwicklung, eine Stilrichtung der Abstrakten Kunst . Diese Kunstrichtung, der auch Mitstreiter wie Max Bill, Hans Arp und Günter Fruhtrunk angehörten (siehe Abbildungen), wird als Geometrische Abstraktion oder Konkrete Kunst bezeichnet. Während die abstrakte Kunst reale Gegenstände oder Personen in visuell verfremdeter Form zeigt, geht es bei der Konkreten Kunst nicht mehr um Reales, sondern um das Sichtbarmachen (Konkretisieren) von geistigen Vorstellungen der Kunstschaffenden.
Die Vielseitigkeit der Geometrie
François Morellet zum 100. Geburtstag
Sammlung Würth
Atrium im Museum Würth 2, Künzelsau
8. März 2026 bis 24. Januar 2027
"François Morellet (1926-2016) gilt als einer der international bedeutendsten Vertreter der Konkreten Kunst. Seit den 1950er-Jahren schuf er auf strengen Regeln und geometrischen Formen basierende Werke aus verschiedenen Materialien. Die Bilder, Lichtinstallationen und Skulpturen des Franzosen finden sich im Louvre (Paris) wie in Sammlungen weltweit. Die Sammlung Würth verfügt über rund 50 Arbeiten und widmet ihm anlässlich seines 100. Geburtstags eine Werkschau, die auch Wahlverwandte und Gleichgesinnte wie Max Bill oder Anni Albers in den Blick rückt.
Eine Besonderheit des Morellet'schen Œuvres ist sein Umgang mit der Sprache. Unzählige Kommentare verfasste er zu seinen Werken. In anspielungsreichen wortspielerischen Titelzugaben, die im Französischen besonders gut gelingen, bietet er uns über das Formale hinaus intellektuelle wie unterhaltsame Deutungsmöglichkeiten. Diese "Kollisionen" von Bedeutungsebenen entsprechen dem subtilen Verständnis eines Künstlers, der von seiner eigenen Arbeit als einem "Fast-Nichts" (frz.: "Presque rien") spricht... mit der Aufforderung, alles in dieses "Nichts" hineinzuinterpretieren, was uns gefällt."
Quelle: Infobanner in der Ausstellung
Eintritt frei - Audioguide und Internetzugang kostenfrei im Museum herunterladbar
Detaillierte Informationen zur Ausstellung auf der App
Würth Collection
Privatperson:Angelika Di Girolamo aus Künzelsau |
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