Einblicke in den Kocherstettenrundgang, Teil 3
Die drei Linden am Erlesbach - und einige mehr!
- Foto: Eigene Aufnahme
- hochgeladen von Angelika Di Girolamo
In diesem Beitrag möchte ich meine Erfahrungen beim Recherchieren teilen. Eigentlich ging es "nur" um ein Gedicht, aber der Titel stellte mich vor ein Rätsel: "Alte mittlere Dorflinde (kleines Brückle)". Wenn die Dorflinde als mittlere bezeichnet wurde, müsste es logischerweise eine obere und eine untere Linde geben. Deren Existenz war mir jedoch ehrlich gesagt nicht bewusst. Hinzu kommt, dass entlang des Erlesbaches noch einige andere Bäume stehen, darunter eine riesige Kastanie an der Bushaltestelle gegenüber des ehemaligen Gasthofes Ochsen.
Etliche Fotos bzw. Ansichtskarten zeigten weder eine untere noch eine obere Linde. Eine weitere Ortsbegehung führte mich dann zu der Erkenntnis, dass die obere Linde gegenüber vom früheren Amtshaus steht - nach Einschätzung eines sachkundigen Seniors schon seit 250 oder sogar 300 Jahren. Aber erst eine Suchfeld-Erweiterung ermöglichte es mir, die untere Linde zu entdecken, die etwa 1970 an der "falschen Seite" des Baches gepflanzt wurde - als später Ersatz für die ursprüngliche untere Linde, die wie die beiden anderen Linden rechts vom Bach stand und um 1920 wegen einer Baumaßnahme gefällt wurde!
Zu alledem brachte der Dichter Heinrich Bader noch eine weitere Linde ins Spiel, die 1871 anlässlich der Reichsgründung hinter dem "Brückle" (steinerne Brücke über den Erlesbach) gepflanzt und 1968 gefällt wurde.
Also ihr seht, es war ganz schön kniffelig, das alles zu ermitteln. Die Hilfe von mehreren Kocherstettenern mit gutem Gedächtnis, die ihrerseits als junge Menschen den Älteren interessiert und aufmerksam zugehört hatten, war zielführend, wie so oft bei ähnlich schwierigen Fragestellungen.
Nun folgt der Text, wie er auf den Seiten 14 und 15 im Kocherstetten-Buch steht:
"Die Dorflinde am Erlesbach
Im Rahmen der Dorfentwicklung wurden Anfang der 1990er Jahre die Gärten entlang des Erlesbaches, der offen durch den Ort fließt, einheitlich gefasst. Sie werden bis heute schön gestaltet und gepflegt. Die uralte Dorflinde – man spricht von 900 Jahren – bietet eine Gelegenheit zur Rast und auch zum Besinnen auf vergangene Zeiten. Früher war die Linde ein Treffpunkt für Jung und Alt. Man traf sich zum Austausch von Neuigkeiten, aber auch zum Erzählen alter Geschichten, die auf diese Weise lange bewahrt blieben. So ist mündlich überliefert, dass an der Linde auch getanzt wurde und es eine Zeit lang sogar einen Tanzboden im unteren Teil der Krone gab.
Drei Linden stehen am Erlesbach!
Die älteste Linde (Abbildung oben) steht in der Mitte, deshalb nennt Heinrich Bader sie in einem Gedicht „Alte mittlere Linde“. Im oberen Ort steht eine ca. 200-jährige Linde gegenüber vom Amtshaus, und an der kleinen Straßenbrücke zur Mühle hin steht die jüngste Linde. Sie wurde um 1970 von der Freiwilligen Feuerwehr gepflanzt. Die ursprüngliche untere Linde war um 1920 gefällt worden, um ein kleines Gebäude zu errichten. Später war darin der VIVO-Laden untergebracht.
Der Kocherstettener Landwirt und Dorfdichter Heinrich Bader (1898-1993) widmete der ältesten Linde von Kocherstetten ein Gedicht, nachdem im Winter 1968 eine weitere Linde, nämlich die Linde am Brückle, aus verkehrstechnischen Gründen gefällt worden war. Sie stand vor dem früheren Gemeindewaschhaus ( ... ) und war im Jahr 1871 anlässlich der Gründung des „Deutschen Reiches“ gepflanzt worden.
Das „Brückle“ ist die Straßenbrücke über den Erlesbach in der Dorfmitte." Ende des Zitats!
[i]Über den "Tellerrand" hinausgeschaut:
Das Gedicht von Heinrich Bader geht auf das Leben (nicht nur) im Kocherstetten früherer Jahrhunderte ein. So wird von Krankheiten erzählt, die nach damaligem Stand der Medizin unheilbar waren und an denen viele Kinder oft früh sterben mussten. Die hohe Kinder- und auch Müttersterblichkeit (überwiegend durch damals nicht heilbare Infektionen in Verbindung mit Entbindungen) betraf durchaus nicht nur die Armen, sondern auch Angehörige von privilegierten Schichten der damaligen Gesellschaft. Die Lebens- und Familiengeschichte des Stettenschen Amtmannes Johann Ludwig Glock (siehe Abbildung 15) bestätigt diese Aussage --> Teil 4 (in Vorbereitung)
Hier geht's zu Teil 1 und hier zu Teil 2 und hier zu Teil 4[/i]
Privatperson:Angelika Di Girolamo aus Künzelsau |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.