Das Rhinozeros und seine Geschichte
Albrecht Dürer machte es weltberühmt
- Rhinocerus (Das Rhinozeros) von Albrecht Dürer, Nürnberg 1515
Quelle: Städelmuseum Frankfurt am Main, Inventarnummer 31588 - Foto: Städelmuseum Frankfurt am Main
- hochgeladen von Angelika Di Girolamo
Das Rhinozeros begegnete mir vor einiger Zeit im Hällisch-Fränkischen Museum bei der Sonderausstellung über die Ratsbibliothek Schwäbisch Hall, als ich den virtuellen Rundgang durch die ehrwürdige Büchersammlung ausprobierte. Ich entdeckte das Symbol für das Nashorn, blätterte daraufhin im "Thierbuch" von Conrad Gessner (geb.1516, gest. 1565) und schon erblickte ich das eindrucksvolle Rhinozeros auf der großen Whiteboard.
Conrad Gessner gilt als Begründer der modernen Zoologie. Sein Hauptwerk war die "Historia animalum". Er veröffentlichte die vier umfangreichen Bände über lebendgebärende Vierfüßer, eierlegende Vierfüßler, Vögel und Wasserlebewesen zunächst auf Latein (zwischen 1551 und 1558 in Zürich). Band 1 wurde erstmals 1563 in deutscher Übersetzung ebenfalls in Zürich herausgebracht.
Doch ich hatte das Rhinozeros anders in Erinnerung! Nach kurzem Überlegen fiel mir der Holzschnitt von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1515 ein, den ich als junge Studentin in den Siebziger Jahren im Britischen Museum in London bewundern konnte. Schon allein durch die Jahreszahlen wird klar, dass in Gessners "Thierbuch" eine Kopie des Dürerschen Originals verwendet wurde.
Noch vor der Herausgabe der "Historia animalum" von Conrad Gessner (1551) wurde eine Art Kopie des Rhinozeros in die Erstausgabe der Cosmographia von Sebastian Münster (Basel, 1544) aufgenommen. Das Nashorn taucht in allen weiteren Ausgaben auf - die Abbildungen zeigen, dass mindestens seit der italienischen Ausgabe von 1558 eine andere Version, nämlich die des Formschneiders (Grafikers) David Kandel (geb. um 1520 in Straßburg (?), gest. um 1590) Verwendung fand.
Welche Geschichte hat das "Rhinocerus" von Albrecht Dürer?"
"Kurz nachdem ein indischer Sultan König Manuel I. von Portugal ein Nashorn als Geschenk übersandt hatte, gestaltete Dürer – ebenso einfallsreich wie geschäftstüchtig – ein Flugblatt zu diesem Ereignis. Dürer hatte das Tier selbst nie zu Gesicht bekommen und konnte für seine Darstellung nur auf Beschreibungen und wahrscheinlich auf eine nicht sehr genaue Zeichnung zurückgreifen. Denn ein Nashorn hatte man in Europa seit dem Altertum nicht mehr gesehen. Dennoch erwies sich seine phantasiereiche Ausgestaltung mit Schuppen, Panzern und Verhornungen als so überzeugend, dass sie für Jahrhunderte die europäische Vorstellung vom Nashorn prägen sollte."
(Quelle: Städelmuseum Frankfurt am Main)
In den fünf Zeilen, die über Dürers Rhinozeros angebracht sind, gab der Meister also Beschreibungen und Informationen weiter, die er von Reisenden erhalten hatte, die das Tier - im Gegensatz zu Dürer - mit eigenen Augen gesehen hatten:
'Nach Christus gepurt. 1513. Krug. Adi. i. May. Hat man dem grossmechtigen Kunig von Portugall Emanuell gen Lysabona pracht aus India ein sollich lebendig Thier. Das nennten sie Rhinoceros...' (vollständige Übersetzung: 'Am 1. Mai 1513 [hier sollte es 1515 heißen] wurde aus Indien zum großen und mächtigen König Emanuel von Portugal in Lissabon ein lebendes Tier namens Nashorn gebracht. Seine Form ist hier dargestellt. Sie hat die Farbe einer gesprenkelten Schildkröte und ist mit dicken Schuppen bedeckt. Er ist wie ein Elefant, aber niedriger auf den Beinen und fast unverwundbar. Er hat ein kräftiges, scharfes Horn an der Nase, das er auf Steinen schärft. Das ... ( dosig thier", Anmerkung Di Girolamo) Tier ist der tödliche Feind des Elefanten. Der Elefant hat große Angst davor, denn als sie sich treffen, läuft dieser mit dem Kopf zwischen den Vorderbeinen herum, bohrt in den Bauch des Elefanten und würgt ihn, sodass der Elefant ihn nicht abwehren kann. Da das Tier so gut bewaffnet ist, kann der Elefant ihm nichts anhaben. Es heißt auch, dass das Nashorn schnell, lebhaft und listig ist.)"
(Quelle: Britisches Museum)
Was ist über den Lebenslauf von Albrecht Dürer (1471 - 1528) bekannt?
Am 21. Mai 1471 wurde Albrecht Dürer als drittes von achtzehn Kindern des Goldschmieds Albrecht Dürer und Barbara Holper geboren. Er wurde zunächst in der Werkstatt seines Vaters zum Goldschmied, dann in den Jahren 1486 bis 1489 bei Michael Wolgemut zum Maler ausgebildet. Eine darauffolgende vierjährige Gesellenwanderung führte ihn an den Oberrhein, u. a. nach Colmar, Basel und Straßburg. Dürer hoffte in Colmar Martin Schongauer zu treffen, der jedoch im Jahr zuvor gestorben war. In Basel war er als Holzschneider und Zeichner in verschiedenen Werkstätten tätig. 1494 kehrte er nach Nürnberg zurück und heiratete Agnes Frey, die Tochter eines Nürnberger Ratsherrn. ... Das letzte Hauptwerk auf dem Gebiet der Malerei stellen die „Vier Apostel“ (München, Alte Pinakothek) dar, die Dürer 1526 dem Rat der Stadt Nürnberg schenkte und die ein klares Bekenntnis zum Protestantismus und den Lehren Martin Luthers darstellen.
(Quelle und gesamter Text: Homepage des Städelmuseums Frankfurt am Main)
Weitere Informationen
Hier gibt's noch einige interessante Links:
zur Cosmographia von Sebastian Münster, zur Sonderausstellung zur Ratsbibliothek Schwäbisch Hall im HFM,
zu einer sehr guten Werkbeschreibung von Dürers "Rhinocerus" auf der Homepage der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe,
zu einem ausführlichen Artikel von Wikipedia über das Rhinozeros und seine Geschichte, die leider sehr traurig endet
zu einem Video "Das Nashorn - Wissen für Kinder"
Privatperson:Angelika Di Girolamo aus Künzelsau |
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